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Zwei Bürgermeister, zwei Regierungsstile: Adrian Karadag von FEZitty und der Regierende Bürgermeister von Berlin Kai Wegner (CDU)

Foto: nd/Patrick Volknant

Ganz standesgemäß, im schwarzen Audi, fährt Kai Wegner am Mittwoch zu seinem Besuch in der Kinderhauptstadt vor. Staatsmännisch strafft der CDU-Politiker sein dunkelblaues Sakko, als er aus dem Wagen steigt. »Du bist der Bürgermeister, ne?«, fragt Berlins Regierender Bürgermeister den kommissarischen Bürgermeister von FEZitty, Adrian Karadag. »Ist das heute eure erste Städtepartnerschaft? Berlin hat schon 17, aber das wird heute eine ganz besondere.«

Sechs Wochen lang organisieren Kinder ab sechs Jahren im Freizeit- und Erholungszentrum (FEZ) in der Wuhlheide eine eigene Stadt. Es ist bereits das 14. Mal, dass das FEZ den Versuch über die Sommerferien wagt. Das Projekt ist umfangreich und lässt nichts vermissen, was zu einer echten Stadt dazugehört: Auf einer Fläche von mehr als 180 000 Quadratmetern mit Innen- und Außenbereich finden sich unter anderem ein Rathaus, eine Universität, die Stadtreinigung, ein Bioladen – und Start-ups. Auch ein kleiner Zug fährt über das Gelände.

Wegner zieht es bei seinem Rundgang zuerst zur Bank. Ein Junge im Metallica-Shirt erklärt dem Regierenden Bürgermeister, wie Überweisungen getätigt werden können. FEZitty wird digital verwaltet, Konten der Kinder und Jobvergabe werden über eine Software organisiert, die Jugendliche für ein ähnliches Projekt in München entwickelt haben.

Als Währung in der Berliner Kinderhauptstadt dient der »Wuhli«: Papierschnipsel, die sich die Kinder durch Mitarbeit an Projekten verdienen. Auch Steuern müssen gezahlt werden. »Kannst du auch auf mein Konto überweisen?«, spaßt Wegner. Vor einem Kinderreporter wird sich der CDU-Politiker später überrascht zeigen, als Regierender Bürgermeister weniger zu verdienen als zuvor als Oppositionsführer.

In der Kinderstadt herrscht am Mittwoch Hochbetrieb, noch nicht alles ist fertig aufgebaut. »He, das ist ja cool. Baut ihr einen Zaun?«, fragt Wegner zwei Kinder, die sich mit Werkzeug an einem Stand aus Holz zu schaffen machen: Das künftige Wasserwerk befindet sich in Konstruktion. Freude kommt beim Senatschef auf, als er wenig später die Stadtreinigung erblickt. Wegner greift nach einer Zange und bugsiert damit einen Papierschnipsel in einen Eimer: »Muss ja sauber sein, die Stadt.«

Der Besuch aus dem Roten Rathaus erwischt die Kinderhauptstadt mitten im Wahlkampf. Adrian Karadag kandidiert erneut und will in seinem Amt nach der eine Woche dauernden Legislaturperiode bestätigt werden. Auf Plakaten wirbt er mit seiner Erfahrung im Amt, die er anderen Kandidat*innen voraus hat. »Zur Wahl stellen darf sich nur, wer schon mindestens acht Stunden in FEZitty gearbeitet hat«, sagt Maria Odoj vom FEZ zu »nd«. Diese Voraussetzung, erklärt die Projektleiterin, hätten sich die Kinder selbst gewünscht. Auch viele der anderen Regeln seien auf Wunsch eingeführt und nicht durch die Erwachsenen vorgegeben worden. Wegner hat für den Bürgermeisterkollegen an einem Essensstand Tipps parat: Karadag solle Kekse verteilen, um die Gunst der Wähler*innen für sich zu gewinnen.

Zur Lebensmittelversorgung von FEZitty trägt unter anderem ein Bauernhof bei, bei dem Wegner ebenfalls vorbeischaut. Der Regierende erinnert sich an einen vergangenen Besuch im FEZ, damals noch als CDU-Fraktionschef. »Ich war schon einmal vor zwei Jahren hier und habe ein Huhn gestreichelt. Man weiß nicht, was mit ihm ist«, sagt er. Die ihn mit Tablets umzingelnden Kinder beruhigt Wegner dann aber sofort. Das Tier, habe man ihm mitgeteilt, sei noch am Leben. Interesse zeigt der Senatschef auch am Ertrag der kleinen Farm: »Wie viele Eier werden da so am Tag produziert?« Zwischen 40 und 50 sollten es schon sein, lautet die Antwort, die Wegner zufriedenstellt.

Am Ende des Rundgangs durch die Kinderhauptstadt stehen die Formalitäten: Kai Wegner und Adrian Karadag unterzeichnen die Städtepartnerschaft. Projekte der Kinder- und Jugendbeteiligung sollen in Zukunft stärker gefördert, die Zusammenarbeit auf den Gebieten der Mobilität, des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit verstärkt werden. Zudem wollen die Städte »Erfahrungen und Kenntnisse in allen Bereichen der städtischen Verwaltung und der Anwendung der modernen Technologien« austauschen.

Es sei wichtig, dass Berlin und FEZitty gerade bei Kinderthemen eng zusammenarbeiten, erklärt Wegner. Bei seinem Besuch habe er viel gelernt, das er mit ins Rote Rathaus nehmen wolle: »Dass ihr darauf achtet, dass es jedem gut geht, dass man hier zu essen bekommt, dass man zu trinken bekommt. Dass man sogar Steuern zahlen muss – okay.«

Wegner lobt die Sauberkeit der Stadt, die Bahnanbindung vor Ort und einen Einsatz des Bürgermeisters, den er während des Rundgangs hat beobachten können. Adrian Karadag war eingeschritten, als Kinder sich nicht an die Regeln im Zug gehalten hatten. Es sei gut, »dass dann auch ein Bürgermeister sagt: So geht’s nicht, da müssen wir bestrafen« – und das schnell.

Wie Projektleiterin Maria Odoj erklärt, gibt es in FEZitty allerdings weder Polizei noch Gefängnis, sondern lediglich Streitschlichter*innen. »Am ehesten gibt es Probleme mit Falschgeld. Dafür braucht es ja nur einen Farbdrucker.«

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